Die Amaryllis gehört für viele einfach zur Weihnachtszeit dazu – doch oft blüht sie zu früh, zu spät oder gar nicht. Genau hier setzt dieser Beitrag an: Du erfährst Schritt für Schritt, wie du deine Amaryllis so pflegst und steuerst, dass sie pünktlich zu Weihnachten ihre großen, beeindruckenden Blüten zeigt.
- Die Amaryllis heißt botanisch Hippeastrum und stammt ursprünglich aus Südamerika.
- Zwischen Pflanzung und Blüte vergehen meist 6 bis 8 Wochen – der richtige Zeitpunkt ist also entscheidend.
- Mit gezielter Temperatur- und Wasserkontrolle kannst du den Blühzeitpunkt um mehrere Tage beeinflussen.
Warum die Amaryllis oft nicht zu Weihnachten blüht
Viele stellen ihre Amaryllis im Herbst voller Vorfreude auf die Fensterbank – und wundern sich dann, wenn die Blüte schon Anfang Dezember vorbei ist oder sich bis Januar zieht. Das liegt fast nie an der Zwiebel selbst, sondern an Timing und Umgebung. Die Amaryllis folgt einem klaren Rhythmus aus Ruhephase, Wachstumsphase und Blüte. Wird dieser Rhythmus gestört, gerät auch der Blühtermin durcheinander.
Ein häufiger Fehler ist, dass die Zwiebel zu früh eingetopft wird oder dauerhaft zu warm steht. Auch zu viel Wasser zu Beginn kann dazu führen, dass sich zwar Blätter bilden, aber kein stabiler Blütenschaft entsteht. Wenn du verstehst, wie die Amaryllis „denkt“, lässt sich das gut vermeiden.
Der richtige Zeitpunkt: Wann du die Amaryllis pflanzen solltest
Damit deine Amaryllis an Weihnachten blüht, kommt es vor allem auf den Pflanztermin an. Ideal ist ein Zeitraum zwischen Mitte Oktober und Anfang November. Pflanzt du früher, blüht sie meist schon vor Weihnachten. Pflanzt du später, verschiebt sich die Blüte ins neue Jahr.

Die meisten handelsüblichen Zwiebeln sind bereits vorbereitet und blühfähig. Trotzdem lohnt es sich, die Zwiebel vor dem Einpflanzen genau anzuschauen. Sie sollte fest sein, keine weichen Stellen haben und trocken wirken. Kleine, vertrocknete Wurzeln sind kein Problem – sie regenerieren sich schnell.
Nach dem Einpflanzen beginnt eine Phase, in der Geduld gefragt ist. In den ersten Tagen passiert oft scheinbar nichts. Genau das ist richtig so, denn die Zwiebel sammelt erst Kraft für den Blütentrieb.
Topf, Erde und Pflanztiefe – kleine Details mit großer Wirkung
Die Wahl des Topfes wird oft unterschätzt. Die Amaryllis mag es eng, denn ein zu großer Topf fördert Blattwachstum statt Blüten. Zwischen Zwiebel und Topfrand sollten nur etwa zwei Fingerbreit Platz sein. Wichtig ist außerdem ein Abzugsloch, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
Als Erde eignet sich eine lockere, strukturstabile Blumenerde. Sie sollte Wasser speichern können, ohne zu vernässen. Beim Einpflanzen gilt eine einfache Regel: Etwa ein Drittel der Zwiebel bleibt sichtbar. Wird sie komplett mit Erde bedeckt, steigt die Gefahr von Fäulnis.
Nach dem Einpflanzen wird die Erde nur leicht angegossen. Danach heißt es: erst einmal abwarten.
Gießen mit Gefühl – weniger ist am Anfang mehr
Gerade in den ersten ein bis zwei Wochen nach dem Einpflanzen ist Zurückhaltung beim Gießen entscheidend. Die Zwiebel braucht nur minimale Feuchtigkeit, um den Blütentrieb zu starten. Zu viel Wasser in dieser Phase führt oft dazu, dass die Zwiebel fault oder nur Blätter bildet.

Sobald sich der Blütenschaft deutlich zeigt, darfst du regelmäßiger gießen. Die Erde sollte dann gleichmäßig leicht feucht sein, aber nie nass. Staunässe ist einer der häufigsten Gründe, warum Amaryllis enttäuschen.
Ein guter Tipp aus der Praxis: Lieber einmal weniger gießen als einmal zu viel. Die Zwiebel verzeiht Trockenheit deutlich besser als Nässe.
Temperatur gezielt nutzen, um den Blühtermin zu steuern
Die Temperatur ist dein wichtigstes Werkzeug, um die Blüte zeitlich zu lenken. Direkt nach dem Pflanzen fühlt sich die Amaryllis bei etwa 18 bis 20 Grad wohl. In diesem Bereich entwickelt sich der Blütenschaft stabil und kräftig.
Sobald der Trieb eine Höhe von etwa zehn bis fünfzehn Zentimetern erreicht hat, kannst du den Standort etwas kühler wählen. Temperaturen um 16 bis 18 Grad verlangsamen das Wachstum leicht und helfen dabei, den Blühzeitpunkt näher an Weihnachten zu schieben.
Die folgende Übersicht zeigt dir, wie sich Temperatur und Entwicklungsphase sinnvoll kombinieren lassen:
| Entwicklungsphase | Ideale Temperatur | Wirkung |
|---|---|---|
| Nach dem Pflanzen | 18–20 °C | Aktiviert den Blütentrieb |
| Wachstum des Schafts | 16–18 °C | Verlangsamt Entwicklung leicht |
| Kurz vor der Blüte | 18–20 °C | Fördert kräftige Farben |
| Während der Blüte | 16–18 °C | Verlängert die Blühdauer |
Nach dieser Phase darf die Pflanze wieder etwas wärmer stehen, damit sich die Blüten vollständig öffnen und ihre volle Farbe zeigen.
Licht: hell, aber nicht gnadenlos
Die Amaryllis liebt Licht, doch direkte Sonne ist gerade im Winter nicht immer ideal. Ein heller Platz am Fenster ohne pralle Mittagssonne ist perfekt. Steht die Pflanze zu dunkel, wächst der Blütenschaft schief oder bleibt zu kurz. Drehe den Topf alle paar Tage leicht, damit der Stiel gerade bleibt.

Ein typisches Problem vieler ist, dass sich der Blütenschaft stark zur Lichtquelle neigt. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine natürliche Reaktion. Mit regelmäßigem Drehen kannst du dem gut entgegenwirken.
Wenn alles gut läuft: Was dich kurz vor Weihnachten erwartet
Hat alles gepasst, zeigt sich kurz vor Weihnachten die erste Knospe. Oft öffnen sich die Blüten nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Das ist ein Vorteil, denn so verlängert sich die Blütezeit deutlich. Jede einzelne Blüte hält bei kühleren Temperaturen mehrere Tage.
In dieser Phase solltest du die Pflanze nicht mehr umstellen. Zugluft, Heizungsnähe oder starke Temperaturschwankungen können dazu führen, dass Knospen vorzeitig abfallen.
Nach der Blüte ist vor der nächsten Saison
Viele behandeln die Amaryllis nach der Blüte wie eine Wegwerf-Pflanze. Dabei lässt sie sich problemlos über Jahre hinweg kultivieren. Nach dem Verblühen schneidest du den Blütenschaft ab, lässt die Blätter aber stehen. Sie versorgen die Zwiebel mit Energie für die nächste Saison.
Im Frühjahr darf die Amaryllis heller stehen und regelmäßig gegossen werden. Im Sommer fühlt sie sich sogar draußen an einem geschützten Platz wohl. Ab August beginnt dann die entscheidende Ruhephase: weniger Wasser, kühler Standort, Blätter einziehen lassen. So wird die Zwiebel wieder blühbereit.
Häufige Fragen zur Amaryllis zu Weihnachten
Warum bildet meine Amaryllis nur Blätter, aber keine Blüten?
Das passiert meist, wenn die Zwiebel zu viel Wasser oder zu wenig Ruhe hatte. Auch ein zu großer Topf kann Blattwachstum fördern.
Kann ich den Blühzeitpunkt noch korrigieren, wenn ich zu spät dran bin?
Ein etwas wärmerer Standort kann das Wachstum beschleunigen, Wunder sind aber nicht möglich. Die Amaryllis braucht ihre Zeit.
Wie lange hält eine Amaryllisblüte?
Bei kühlem Standort und gleichmäßiger Pflege halten die Blüten oft zwei bis drei Wochen.
Checkliste: So blüht deine Amaryllis pünktlich zu Weihnachten
- Pflanztermin zwischen Mitte Oktober und Anfang November
- Enger Topf mit Abzugsloch verwenden
- Zwiebel nur zu zwei Dritteln einpflanzen
- Anfangs sehr sparsam gießen
- Heller Standort ohne direkte Sonne
- Temperatur gezielt steuern
- Nach dem Aufblühen nicht mehr umstellen
Wenn du diese Punkte beachtest, wird deine Amaryllis nicht zur Glückssache, sondern zu einer verlässlichen Weihnachtspflanze. Sie belohnt dich mit kräftigen Stielen, großen Blüten und genau dem festlichen Moment, den man sich in der dunklen Jahreszeit wünscht.

